Johnny vom Spreeblick ist auf eine prima Idee gekommen, um freie Musik einem breiteren Publikum vorzustellen. Im öffentlich-rechtlichen Fritz-Radio will er eine Sendung namens Trackback moderieren, die die Welt der Blogs auch Radiohörern näherbringt, die damit bisher nichts anfangen können. Radio lebt natürlich auch von Musik und so sollte es Creative Commons Charts für Musik geben. Die Verwendung von unter Creative Commons lizensierter Musik sollte es auch ermöglichen, Musik in die Podasts der Sendungen miteinzubinden, was bei Musik von der GEMA natürlich nicht möglich ist. Dass der deutsche Monopolist zur Vermarktung von Musikaufführungsrechten die Idee mit Creative Commons gar nicht gut findet, versteht sich von selbst. Dass aber nun ausgerechnet die Creative Commons Organisation selbst der Idee Steine in den Weg legt, finde ich schon ziemlich seltsam.
Johnny schreibt im Beitrag Uncreative Problems dazu:
Die amerikanische Abteilung von Creative Commons möchte nicht so gerne, dass wir die geplanten Charts „Creative-Commons-Charts“ nennen. Denn dazu müsste FRITZ eine Trademark-Vereinbarung mit CC treffen.
Na super. Das hätte die STAGMA-Nachfolgerin GEMA nicht hübscher formulieren können. Vielleicht sollten wir Blogger den dafür Verantwortlichen der Creative Commons Organisation mal einen offenen Brief schreiben, in dem wir ihnen mitteilen, was wir davon halten? Zu allem Überfluss scheint es dann auch noch mit den diversen Jurisdiktionen der verschiedenen Länder nicht ganz so simpel zu sein, so dass nicht klar ist, ob CC-lizensierte Musik überhaupt einfach so im Radio gespielt werden darf. Im zur Sendung gehörenden Trackback Weblog findet man derzeit keine Creative Commons Charts, dafür aber Podcast Charts.
Für Mein Parteibuch verwende ich übrigens ganz bewusst weder eine Creative Commons Lizenz noch die GPL, sondern einfache selbstformulierte Copy Left Bedingungen, weil mir die Wortmonster der in der Juristensprache ausformulierten Lizenzen unsympatisch sind, meiner Meinung nach mehr Fragen aufwerfen als sie an Problemen lösen und obendrein nicht mal miteinander kompatibel sind.
PS: Bezüglich der GEMA fordere ich nach wie vor dringend eine Änderung des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes, mit der unter anderem die sogenannte GEMA-Vermutung gestrichen wird und sichergestellt wird, dass Künstler bei jedem Werk auf’s neue die Wahl haben, ob sie ihre Urheberrechte durch die GEMA wahrnehmen lassen wollen. Die derzeitigen Knebelvereinbarungen, die mit finanziellen Druckmitteln dafür sorgen, dass Künstler, wenn sie einmal bei der GEMA sind, lebenslang da bleiben müssen, halte ich obendrein auch für verfassungswidrig.
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Ich auch. Fraglich ist nur, ob das Bundesverfassungsgericht sie auch für verfassungswidrig hält
.
Das ist nicht ganz richtig, die GEMA hat nix dagegen, dass CC-Musik gespielt wird, warum auch? Nur will und kann sie sich natürlich nicht um die Auswertungen kümmern, da CC-Künstler keine GEMA-Miglieder sind.
Acuh das ist leider ein eher halbgarer Satz… aber dazu mal später mehr in einem längeren Artikel.
Hallo Johnny,
nett Dich hier zu treffen. Die Chefs der GEMA werden sicher nicht begeistert sein davon, wenn es gelingt, ihr gesetzlich garantiertes Monopol mit freier Musik zu unterwandern. Natürlich wird sie das nicht so offen sagen, dass die GEMA als milliardenschwere Institution durchaus auch Eigeninteressen verfolgt.
Was die Knebelvereinbarungen durch die GEMA angeht, da bin ich wirklich auf Deinen Artikel neugierig. Inwiefern und noch besser wie Künstler da tatsächlich rauskommen können, finde ich sehr spannend. Einfach wird es Künstlern aber anscheinend wirklich nicht gerade gemacht.
Das wäre bestimmt ein spannendes Thema für eine Sendung.
Marcel, du kannst die GEMA jederzeit verlassen. Dass sie sich dann nicht mehr um deine Kompositionen kümmert, ist logisch, oder?
Es fehlt tatsächlich ein Modell, dass neue Medienformen einbezieht und den Künstlern mehr Möglichkeiten gibt, das ist berechtigte Kritik und daran wird bereits gearbeitet. Alles andere jedoch ist - sorry - oft Polemisierung ohne wirkliches Wissen. Wie viele der “Knebelverträge” kennst du? Wie viele Künstler, die Einnahmen von der GEMA beziehen, kannst du überzeugen, auf diese Einnahmen zu verzichten? Und bezeichnest du jeden Vertrag, der Exklusivität beinhaltet, als Knebelvertrag?
Natürlich hat die GEMA eigene Interessen, wie jede andere Verwertungsgesellschaft der Welt auch. Sie besitzt ein Quasi-Monopol, welches aber keineswegs zu allem berechtigt (siehe hierzu u.a. den Prozess, den der Freibank-Verlag in den 80ern gegen die GEMA geführt und gewonnen hat).
Es liegt mir fern, die GEMA zu “verteidigen”, da ich genug an ihr auszusetzen habe. Aber mir gehen diese Pauschalisierungen ehrlich gesagt auf die Nerven, die sich mit der Historie des Themas und den Schwierigkeiten bei den Lösungen selten beschäftigen. Alles weg: GEMA, GEZ, Steuern, Ampeln? Und dann?
Wer bastelt ein zukunftssicheres Modell für all die Fragen, die sich mit dem geltenden Urheberrecht und den neuen Medien ergeben und setzt es um? Wer macht konstruktive Vorschläge, die sowohl geltendes Recht als (z.B.) auch europäische Fragen lösen?
Eine GEMA-Beauftragung durch Künstler für ausgewählte Titel ist z.B. eine nette Idee. Aber hast du eine Vorstellung davon, wie hoch der Verwaltungsaufwand dafür wäre?
Imho nicht sehr hoch, wenn man das vernünftig digital lösen würde…
Ich persönlich wäre ja eher dafür, erstmal die GEMA komplett aus dem “Spiel” zu lassen und sich mit den Künstlern zu beschäftigen, die da auf sich allein gestellt sind. Und für die mal eine Lösung zu entwickeln, einerseits die Freiheiten einer CC-Lizenz zu nutzen und andererseits nicht auf Einnahmen durch kommerzielle Verwertung ihrer Werke zu verzichten. Denn ob da die GEMA der richtige Ansprechpartner wäre? Da ist ja schon die Reportairesuche eher suboptimal bis nicht vollständig.
rofl… digital lösen. Netter Ansatz, ich denke aber nicht, dass sowas einfach “digital lösbar” ist. Ich glaube da häng noch ein ganz schöner Rattenschwanz dran. Aber zumindest einige Aufgaben können digital gelöst werden.
@Johnny: Du zerstörst gerade mein Weltbild. Ich finde Pauschalisierungen gut, habe auch immer gedacht, dass du auch pauschal gegen GEMA, GEZ usw bist - anscheinend nicht. …trotzdem sehr vernünftig was du hier von dir gibst.
mfg Xe54
Xe54, ich bin harter Kritiker der Ignoranz vor den “neuen” Medien in allen Bereichen und mich ärgert ganz vieles, aber ich bin mir durchaus bewusst, was an Institutionen wie der GEMA alles dran hängt und dass es wenig Sinn macht, einfach “Abschaffen!” zu rufen.
Der Ansatz, sich einfach um die GEMA-freien Künstler zu kümmern, ist ja der richtige, wenn die GEMA eben keine passenden Angebote hat. Allein die Frage der Auswertung aber zeigt, wie schwer das werden würde (die GEMA verfügt halt über ein Netzwerk, das nicht zu unterschätzen ist bspw. in der Frage der kommerziellen Verwertung von Songs und der Abrechnung derselben). Man stelle sich vor: Millionen Künstler entscheiden je nach Song, wie und wo und durch wen die Auswertung des Songs in weclhen Bereichen stattfinden soll, Millionen Anfragen (Werbung, Clubs, Radios, Netz, andere Medien, Veranstalter, TV-Beiträge usw.) wenden sich gleichzeitig an die Verwertungsgesellschaft mit Anfragen zu einzelnen Songs (denn ab jetzt müssen sie jeden Song anfragen, nicht mehr den Künstlern oder gar - wie im Moment - das GEMA-Repertoire)… ob das die Sache einfacher und besser machen würde, wage ich zu bezweifeln.
Ich frage mich also, was einfacher ist: Eine Art “GEMA-Alternative” aufzubauen (ich kann mir vorstellen, dass die Überlegungen von CC in diese Richtung gehen, natürlich weltweit) oder sich mit der GEMA und den anderen europäischen oder internationalen Gesellschaften hinzusetzen und nach Lösungen zu suchen, die bereits bestehende Infrastrukturen nutzen um diese zu verbessern?
Könnte sein, dass letzteres sinnvoller ist.
Pauschalisierungen sind immer einfacher (und manchmal braucht man sie ja auch, um Dinge zu bewegen), aber eine Lösung sind sie selten.
Johnny, um eine “GEMA-Alternative” gehts mir gar nicht so sehr. Eher darum, zusätzliche Alternativen zu gestalten. Denn wie du ja selbst weisst, ist das Thema mittlerweile mehr als nur komplex. Millionen Songs - da brauchts wohl zukünftig (hatte ich vor Wochen drüben bei dir schonmal geschrieben) eher eine weitreichende Differenzierung der einzelnen Nutzungsarten, welche dann von mehreren gleichberechtigten “Organisationen” oder Dienstleistern verwaltet werden (Eventuell ja mit einer dann zu erstellenden gemeinsamen Datenbasis). Und ob ein Urheber nun 1 oder 5 Schecks im Jahr bekommt, dürfte im am Ende doch egal sein? Und ja, dies ist nur ein Ansatz eines Ansatzes einer denkbaren Lösungsstrategie
Allerdings gestaltet sich sowas wie z.B. IODA macht, hierzulande recht schwierig, da das Urheberrecht da wohl imho die einzelnen Nutzungsformen nicht voneinander unterscheidet.
Xe45: Ja, du lachst… aber die GEMA funktioniert zu seinem sehr erheblichen Teil noch analog. Wenn sich Lizenzen zukünftig z.B. per E-Shopping erwerben ließen, oder die GEMA-Titel in eine elektronisch verwendbare Datenbank eingepflegt würden, dann ließe sich imho sehr viel Geld sparen.
Meiner Ansicht zeigt sich gerade bei der GEMA das Monopol-Problem sehr deutlich: Es gibt keinen Wettbewerb, also muss sich die GEMA auch nicht ändern. Der erste Ansatz müsste also sein, eine Konkurrenz-Organisation aufzubauen. Dazu wäre allerdings zu allererst nötig, die gesetzlichen Schranken abzubauen, z.B. die oben von Marcel angesprochene GEMA-Vermutung.
Es kann übrigens gut sein, dass die CC-Bewegung unerwartete Unterstützung bekommt: Nähmlich von der europäischen Komission, bzw. vom Bundeskartellamt. Das ist aber ein heißes Thema .
@Johnny
Auch wenn ich es für legitim halte, Fragen polemisch zu stellen, um Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, so halte ich es dennoch für wichtig, in einer lösungsorientierten Diskussion die Polemik deutlich zu reduzeren.
Das war nun deinerseits polemisch. Wenn ich darauf aufmerksam mache, dass ich die gesetzliche GEMA-Vermutung für falsch halte, dann will ich doch nicht gleich Ampeln abschaffen. Und wenn ich die Quasi-Behörde GEZ wegen ihres unmöglichen Benehmens und ihrer hohen Kosten abschaffen will, und den staatlichen Rundfunk stattdessen über Steuern - gegebenenfalls durch einen zwischengeschalteten Rundfunkfonds - finanzieren will, dann will ich doch nicht die Steuern abschaffen.
Zurück zur GEMA: Ich meine, die GEMA soll bei jedem einzelnen Titel, für den sie Geld haben will, auch nachweisen, dass sie die entsprechenden Rechte überhaupt hat. Die derzeitige gesetzliche Regelung, nach der der GEMA nterstellt wird, für alle Musik der Welt berechtigt zu sein, zu kassieren, halte ich für untragbar.
Das gleiche gilt für eine vernünftige gesetzliche Regelung für den Fall, dass ein Künstler zukünftige Werke nicht der GEMA überlassen möchte. Da die GEMA für die bisherigen Stücke zeitlich unbefristet gültige Lizenzen vergeben konnte, sollten die bisherigen Stücke im Fundus der GEMA verbleiben können. Derzeit scheint es aber mehr oder weniger so zu sein, dass die GEMA über die GEMA-Vermutung die Gebühren für die bisherigen Werke weiterhin einstreicht, obwohl sie dem Künstler nichts mehr auszahlt, weil der ja seine Clubmitgliedschat bei der GEMA gekündigt hat.
Also “Creative Commons” ist meiner Recherche nach keine in Deutschland eingetragene Marke. (Mal abgesehen davon, dass ich es für nicht Schutzfähig halte, weil es m.E. die Rekursive Klasse “Marke für allgemeine Urheberrechte” nicht gibt.) Was also hindert jemand, der “Creative Commons Charts” veröffentlichen will, eben diesen genauer spezifizierten Begriff, als Marke für musikalische Aufführungsrechte eintragen zu lassen und damit den Damen und Herren aus Amiland mal zu zeigen, was ne Harke ist - Das Geld für die Eintragung bzw. zunächst die Beantragung der Eintragung stell ich gerne zur Verfügung. Vorläufiger Klassifizierungsvorschlag 35, 41, 42 (die 37, die die GEMA für Ihren rechtehandel nutzt können wir uns wohl sparen, denke ich)
@Michael
Rechtlich ist es vermutlich über das Kennzeichenrecht auch ohne Markeneintragung möglich, dass Creative Commons die Nutzung ihres Namens verbietet. Sollten sie das aber tun, dann können sie sich einäschern lassen. Das Feedback derjenigen, die Creative Commons nutzen, wird sicher interessant. Wenn die Trademark-Vereinbarung aber fair und auch nicht zu teuer ist, dann halte ich die Vorgehensweise von Creative Commons nicht für ganz dumm.
Kurzer Hinweis: Es gibt in Deutschland seit Anfang 2005 als weitere Verwertungsgesellschaft neben der GEMA für Komponisten und Musiker auch die “VG Werbung + Musik mbH” (http://www.vg-werbung.de).
@Gunnar
Dass es mit der VG Werbung Konkurrenz für die GEMA gibt, begrüße ich. So gibt es eine Chance darauf, dass die GEMA-Vermutung bald gestrichen wird und die GEMA zukünftig eben doch bei jedem Titel nachweisen muss, dass sie überhaupt berechtigt ist, dafür zu kassieren.
Dass die VG Werbung dann auch durch Hinweis auf ein Urteil des AG München zur rstattung von Abmahnkosten gleich auf ihrer Webseite klarmacht, wie toll sie im kostenpflichtigen Abmahnen ist, macht mir die VG Werbung allerdings kaum sympatischer als die GEMA.